Freitag, 31. Juli 2015

Artitec Plattformwagen SSy kra - der vierachsige Drehgestellwagen zum Transport schwerer Lasten der ersten Bauform 1941







Es ist nun schon wieder bald ein ganzes Jahr ins Land gezogen, als Artitec im Spätsommer 2014 den von mir seiner Zeit lang erwarteten vierachsigen Plattformwagen der SSy Familie in erster Bauform von 1941 in Epoche IIc der Bezeichnung SSy kra mit den markanten Fischbauchträgern auf den Markt brachte.
Zu jener Zeit des erscheinen der Modelle verschiedener Epochen und Bahnverwaltungen nebst den diversen Veränderungen und Verbesserungen welche die Wagenbauart gerade in ihren ersten Lebensjahren nach durch die Praxiserfahrungen verbesserten Musterblätter erhielt, war die Euphorie so einiger Kollegen und natürlich auch bei mir selbst wohl verständlicher Weise sehr hoch angesiedelt. Man hatte eben sehr lange auf die verschiedenen Modelle dieser Wagenbauart warten müssen bis sie ein Hersteller endlich realisierte.
So erschien dann auch zeitgleich eine publizierte Vorstellung der Modelle und deren Vorbilder in Wort und Bild vom bekannten Autor Stefan Carstens, jene veröffentlicht in der MIBA Ausgabe 10 / 2014.

Leider kam nachdem ein Exemplar des Modell erworben worden und auf die eigenen Gleise gestellt war, nach der anfänglichen Euphorie doch etwas Ernüchterung auf, jene bis dato anhaltend ist!

Warum?
Erstes Manko, der Wagen respektive der Wagenkasten stand ca. 1,0 mm ab Schienenoberkante (SOK) zu hoch, dieser Umstand sich wohl auch bis zu den Modellen neuster Fertigung nicht geändert haben dürfte!
Aber nicht nur dieser "kleine" Fehler allein brachte etwas Unmut, vor allen Dingen der mit vielen einzelnen zum Teil fein geätzten Bauteilen dem Modell beigelegte prall gefüllte Zurüstbeutel brachte sicher nicht wenige Käufer der Modelle schier zum verzweifeln, zumal der eigentlich fast ohne konkrete Aussage zur Montage der Teile dem Modell zugefügte Beipackzettel mit Verlaub gesagt nur ein Witz sein konnte.
Artitec reagierte wohl dann mit einer Anbauanleitung der Zurüstteile auf deren Website, ich persönlich und auch einige der Kollegen konnten diese Anleitung aber leider - bis heute - dort nicht finden!

Dieser Fakt und noch einiges Mehr wurde dann seiner Zeit zum erscheinen der Modelle am Markt im DSO Forum eingehend diskutiert!



Den ersten Eingriff tätigte ich dann auch gleich nach dem Erwerb des Modell zur Reduzierung der nicht vorbildgetreu konstruierten Höhe des Wagenkasten.
Der Wagenkasten liegt nun etwa 1,1 mm tiefer auf den Drehgestellen, so dass er jetzt direkt gemäß seinem Vorbild über den Radsätzen zu finden ist. Dabei wurden die (angedeuteten) Zapfen und Pfannen der Drehgestelle und des Wagenboden etwas überarbeitet und gleichzeitig notgedrungen die KK - Kulissen entfernt.

Die originalen von Artitec verbauten Radsätze selbst mit deren Radscheiben, diese behaftet mit super hohen Spurkränzen die nun natürlich der gesenkten Höhe des Wagenkasten nicht mehr passend sind und gegen zumindest RP 25 / 110 oder 88fine Radsätze gewechselt werden sollten, stören nun dem optischen Gesamteindruck nicht wenig.
Zudem existieren noch andere Baustellen am Modell, einfach für eine bessere Stimmigkeit des Modell dem Vorbild gegenüber sorgend, wovon ich im folgenden ein paar Worte nebst Bilder verlieren möchte:



Die weit über Gebühr von den Lauflächen der Radscheiben abstehenden Bremssohlen schulden die zur Verwendung gekommenen Radsätze mit sehr hohen Spurkränzen, welche für war nicht mehr zeitgemäß mit ihren knapp 1,2 mm sein dürften. Bei korrekter Lage der Sohlen würden die hohen Spurkränze fröhlich an den leider wiederum nur zum Teil nachgebildeten Bremsdreiecken respektive der Bremsenwellen schleifen.
Der Durchmesser der Laufflächen der Räder beträgt am Modell rund 10,30 mm, dieses Maß beim Vorbild 900 mm bedeuten wurde. Im Ablieferungszustand des Vorbildes betrug der Durchmesser 940 mm / 10,80 mm in 1 : 87.
Nicht nur die Radsätze mit ihren sehr hohen Spurkränzen bedingen von Seiten des Hersteller den zu hohen Wagenkasten ...



... sondern auch die eingebauten Kurzkupplungskulissen, die hier im Bild ausgebaut da sie leider im Originalzustand der Kulissen (die Stärke des Materials der Teile) so nicht mehr verwendbar sind.
Sie würden jetzt ganz einfach nicht mehr zwischen Wagenboden und Drehgestellen passen!!



Der Unterboden des Wagen zeigt so gut wie keine Nachbildung vom Vorbild, Bremsenteile, Leitungen etc, - alles ist nicht vorhanden um dem mittig angeordneten Ballastgewicht Platz zu schaffen.
Schaut man sich zudem die beiden Einheitsdrehgestelle - diese hier im Bild um 180° ihrer Längsrichtung verdreht sind - sieht man nur eine einseitige Nachbildung im Detail, auch das einseitige "weglassen" der Bauteile schuldet wohl der Kurzkupplungskulisse.

Sieht man sich aber dagegen die neuen sehr feinen Einheits - Drehgestelle des BRAWA SSla an, erkennt man im Vergleich weite Welten ...
... die auch nicht, vielleicht einfach "nur" mit dem Tausch der beiden Drehgestelle geändert werden könnten, wenn man einmal weiter spinnen würde, da beide einen unterschiedlich langen Achsstand besitzen, 1800 mm Artitec SSykra - Vorbild zu 2000 mm BRAWA SSla - Vorbild.
Es wäre nun wirklich müßig alle Unstimmigkeiten des Modells aufzuzählen, dass ist heute auch nicht Sinn und Zweck der Sache meiner Gedanken.

Mein persönliches Resümee: 
Umbau und Verfeinerung Nein, aber originale abgefederte Kupplungen, Federpuffer und bessere Radsätze Ja - wobei dann wiederum die Bremssohlen bei einer geringeren Höhe der Spurkränze optisch ein weiteres Mehr frei stehen würden - es sei denn mir fällt doch noch etwas besseres zu dieser "Karre" ein ...

Kommentare:

  1. Hallo Ingo,

    wieder ein Post voll nach meinem Geschmack!
    Ich dachte schon, daß es an meinem modellbauerischen Unvermögen liegt die Zurüstteile nicht genau positionieren zu können.
    Nun lese ich das sich scheinbar auch weitere Kollegen mit dem gleichen Problem befassen mußten!! Vielen Dank für die für mich kleine Bestätigung, so ist mein Selbstzweifel wieder etwas gelindert.

    Schöne Grüße und bitte weiter so auf Deinem Blog vom Konrad aus der Stadt der vier Tore Neubrandenburg

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    1. Moin Konrad,

      es freut mich Deinen Geschmack getroffen zu haben.
      Zum Thema Zurüstteile brauchst Du Dir keine grauen Haare wachsen zu lassen noch Zweifel an Dir selbst zu hegen, dass ist völlig unnötig denn es wird wohl einen Großteil der Besitzer des Modell in gleicher Weise betreffen! Ein weiterer Punkt ist jener, dass nicht alle der Zurüstteile auch korrekt passend gearbeitet sind.
      Es ist eigentlich sehr schade drum, denn das Modell ist ja außer einigen Unstimmigkeiten doch ganz passabel geworden.

      Ich danke Dir für Deinen Kommentar und grüße Dich von der Merziener Privatbahn AG bb

      Ingo

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  2. Hallo Ingo

    Danke für diesen tollen Bericht, ich hatte auch schon mit diesen Wagen geliebäugelt. Da lass ich schön die Finger von und informiere mich bei Krüger Modellbau der einen Bausatz dieses Wagens im Programm hat.

    Viele Grüße

    Stefan

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    1. Moin Stefan,

      immer wieder gern!
      Die Möglichkeit eines Bausatzes von Krüger zu verwenden habe ich noch gar nicht ins Auge gefaßt.
      Da werde ich mich jetzt auch zur Sache informieren.
      Im Grunde schaut das Modell auf dem Gleis stehend betrachtet recht gut aus, man darf halt nur nicht "als Finescaler" die Unterseite mit diesen Augen betrachten.
      Das betrachten und und finden von Unstimmigkeiten am Modell gegenüber seinem Vorbild unternehmen ja eh nur solche "Verrückte" wie sie wir beide auch darstellen, für die Mehrheit der Modellbahner ist es sicher auch ein ganz ansprechendes Modell - was es optisch gesehen auch ist!

      Liebe Grüße,

      Ingo

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  3. Hallo Ingo,

    sehr schöner Bericht zum SSkra Köln. Meine Begeisterung über dieses Modell ist nach wie vor da. Ich fand die Zurüstung mit Hilfe der Anleitung die dann kam super. Ich liebe es, wenn ich Wagen zurüsten kann. Denn wenn er perfekt aus der Schachtel kommt, ist es irgendwie langweilig. Verbesserungen gehen immer auch bei nahezu perfekten Modellen wie dem SSla Köln von BRAWA. Habe mich schon gewundert, daß keiner der Experten an diesem Modell was macht. Denn die Unterseite bietet Gestaltungsmöglichkeiten. Konkrete Frage: welche RP25 finescale Radsätze passen hier (von Luck)? Mal sehen was Artitec beim SSym Köln macht.

    Viele Grüße
    Norbert
    www.dieepoche2.de

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    1. Moin Norbert,

      bis auf ein paar kleinere Anpassungsarbeiten zB. die Schwellen / Sicherungsbalken der Ladung für den Ladeboden gab es bei der Zurüstung der Teile keine größeren Schwierigkeiten. Ich hatte schon vier solcher Wagen verschiedener Bauart DRB / DR / DB für Kollegen zugerüstet. Aber für den Modellbahner der sich nicht wie wir mit solchen kleinen Teile und dem Vorbild beschäftigt, ist es schon eine gewisse Tortur wenn nicht gar unmöglich die Dinger korrekt zu plazieren!
      Ebenso wie Du finde ich an dem Wagen auch großen gefallen, er läßt sich nur leider mit vertretbarem Aufwand nicht so richtig wie gewünscht verfeinern.
      Zu den Drehgestellen habe ich ein Idee und werde aus diesem Grund einmal mit Herrn Krüger (Modellbau) sprechen ...

      H0fine 88 Radsätze für den SSy wären zB. mit 11,0 mm Durchmesser geeignet, diese sind dann zwar um ca. 2 Zehntel mm größer (Vorbild 940 mm = 10,8 mm), würde aber nicht auffallen da ja die Bremsen so leidig stark den Laufflächen entfernt sind. Die Spitzenlängen betragen 24,40 mm und dürften sicher bei Luck oder auch bei Weinert zu haben sein.
      Dazu vielleicht noch ein kleiner Tip von mir.
      Die Achsen sitzen ziemlich straff in den Achslagern der Drehgestelle, wenn die Möglichkeit besteht würde ich pro Drehgestell eine Achse 22,40 mm und eine Achse etwa um 0,2 - 0,3 mm verkürzt, ergo 22,10 - 22,20 mm einsetzen. So läuft der Wagen um einiges ruhiger bedingt durch die nun eingesetzte "kürzere Pendelachse".

      Der SSla Köln von BRAWA ist schon ein feines Modell, man kann auch so einige Verfeinerungen ihm angedeihen lassen!
      Warum noch keiner der Experten sich an dem Wagen "öffentlich" heran getraut hat möchte ich etwas ketzerisch folgend beantworten.
      Wie Du informiert bist soll von Stefan Carstens der nächste neue Band Güterwagen von den vierachsigen Rungen- / Plattformwagen handeln wobei dann auch sicher wieder ein MIBA Report Band mit Umbauten, Verfeinerungen etc. dieser Wagenbauarten folgen wird.
      Die Kollegen Experten schauen sich schon ganz sicher in den einschlägigen Foren, privaten Blogs etc. nach solchen Umbauten von Kollegen eingehend um, so dass sie dann ihre "eigenen" verfeinerten Wagen in der genannten Publikation präsentieren können! Darunter wird dann auch fast sicher der BRAWA SSla Köln zu finden sein. Aus diesem Grunde herrscht wohl auch bis zur eventuellen Veröffentlichung große Geheimhaltung der Experten - Basteleien. So jedenfalls bei dem kürzlich erschienen Kesselwagen - Report geschehen, in diesem manche Kollegen leider gesehen haben, wohin ihre eignen öffentlich gezeigten Basteleien führen können! Aus diesem Grund herrscht auch von dieser Seite "Funkstille" wie ich unterrichtet bin!

      Norbert, ich hoffe Deine Fragen beantwortet zu haben und danke Dir für Deinen Kommentar.

      Viele Grüße von der Merziener Privatbahn AG bb
      Ingo

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  4. Hallo Ingo,

    danke für die ausführliche Antwort. Mit der Unterseite habe ich ich mich unklar ausgedrückt, ich meinte den Artitec-Wagen, der unten so blank ist. Klaus - Dieter Pfennig hat für den BRAWA SSla Köln schon Hand angelegt. Bodenabdeckungen im Bereich der Drehgestelle ohne KK-Aussparungen; siehe: Eisenbahnmodellbauforum. Auf Band 8 von SC bin ich auch sehr gespannt.

    Viele Grüße
    Norbert

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  5. Moin Norbert,

    ja der Artitec SSy ist mehr als blank an seiner Unterseite!
    Man könnte nun das Ballastgewicht entfernen und die komplette Unterseite inklusive der HIK - Bremseneinrichtung aufbauen, aber dass wird wohl wenn überhaupt ein späteres Ziel für mich werden. Es liegen ja noch bei mir einige andere Wagen mit ihren "Wehwehchen" zur Verfeinerung an bzw. befinden sich in Arbeit.
    Der Brawa SSla mit den beiden von Dir genannten Bauteilen - und einiges mehr ist auch schon in Arbeit ...

    LG. Ingo

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