Samstag, 18. Juni 2016

Das brünieren des Neusilber - Sprengwerk vom AW Lingen für das Fahrwerk des Liliput Omm 32 Linz / Omm 33 Villach






Hin und wieder erreicht mich die Nachricht, dass bei einigen Kollegen ein brünieren von NE Metallen wie Messing, Neusilber, Bronze etc. nicht so recht gelingen sollte - obwohl sie auch jenes Mittelchen einer Schnellbrünierung benutzen, jenes ich seiner Zeit hier im Blog vorgestellt hatte.

Diese Tatsche ruft mich nun auf den Plan, nochmals kurz das brünieren an Hand des aus einem Neusilber Ätzbausatz aus dem Hause AW Lingen Jochen Leisner zusammen gelöteten Sprengwerk für die Omm 32 / 33 Linz und Villach - in meinem speziellen Fall für den in Arbeit befindlichen Plattformwagen Bauart Villach zum Anbau vorgesehen - in einigen Bildern zu zeigen.

Das erste und aller wichtigste Gebot für den beabsichtigten Vorgang des brünieren stellt unbedingt ein muß an Sauberkeit und vor allem Fettfreiheit des zu brünierenden Werkstück dar, ansonsten funktioniert das Ganze leider nicht!
Obwohl die Brünierung in ihrer Art eine ätzende Chemikalie darstellt, ist sie dennoch außer Stande, Fette und andere Beläge / Oxidationen auf den zu brünierenden Werkstücken selbstständig zu entfernen.

Das extrem filigrane Teil des Sprengwerk nun, läßt sich nach dem löten mit Weichlot leider nicht mit üblichem sandstrahlen säubern, jedenfalls habe ich in Vergangenheit nicht die besten Erfahrungen dabei mit solch hauchdünnen Material gezogen.
So ist eine sorgfältige Handreinigung angesagt, um den diversen Rückständen auf dem Material zu Leibe zu rücken.

Neusilber ist bekanntlich kein eigenständiges NE - Metall sondern eine Legierung aus Kupfer und Nickel.
Daher ist es nicht ganz so einfach dieses Material zu brünieren. Grundsätzlich ist es aber möglich, es sollte "nur" der Brüniervorgang von Fall zu Fall bei bedarf dann nochmals wiederholt werden.




Der erste Brünier - Durchgang ist hier am Sprengwerk mit der im rechten Bild zu sehenden Schnell - Brünierung beendet, dabei wurde es im ersten Schritt wie im folgenden beschrieben sehr sorgfältig gesäubert.

Mit einem Pinsel habe ich dann das Brüniermittel satt aufgetragen und ca. 7 - 8 Minuten ungestört auf dem Neusilber einwirken lassen. Danach wurde es unter fließendem Wasser gründlich abgespült um den Beizvorgang der Chemikalie zu beenden.
Zum Schluß wurde dann das brünierte Bauteil für etwa 24 Stunden geschützt bei Seite gelegt um der Brünierung Zeit zu geben sich zu festigen.

Wie ich in einzelnen Schritten zu einem guten Ergebnis beim brünieren komme soll nun im folgenden in Wort und Bild berichtet werden:



Den gröbsten Schmutz, Weichlotzunder, Flußmittelrückstände und Oxidationen vom löten etc. beseitigt man natürlich zu Anfang sehr gewissenhaft mit dem Glashaarradierer der ein absolut unverzichtbares Werkzeug beim Weichlöten darstellt! Ohne jenem unverzichtbarem Glashaarradierer im geordneten Werkzeugarsenal, kann man im Grunde jegliche saubere Weichlöterei völlig vergessen.

Der nächste Arbeitsgang stellt das reinigen im Ultraschallbad dar.
Im Bild zu sehen ist mein Ultraschallgerät, welches ich nun auch schon 5 oder 6 Jahre besitze und sicher über diese Zeit schon sehr sehr viele Reinigungszyklen ertragen mußte.
Das Gerät war seiner Zeit neu unter 20 € bei einem Fachhändler erworben worden.

Die Reinigungsflüssigkeit selbst besteht aus einfachem (Baumarkt-) destillierten Wasser, 10 % Laminatreiniger, je nach Anwendung und Verschmutzungsgrad 5 - 10 % Bleichlauge vom Drogeriemarkt sowie ein kleiner Schuß Spülmittel zum entspannen der Mixtur.
So konnte ich bis dato beste Ergebnisse bei der Reinigung erzielen!



Nach dem Ultraschallbad unter fließendem Wasser abgespült, kommen die beiden im Bild zu sehenden Haushalt - Mittelchen an die Reihe.




In einem Bad der Scheuermilch wird diese nun sorgfältig mit dem Pinsel auf dem Werkstück verteilt und sorgfältig in nicht zu kurzer Zeit dabei verrieben. Dabei kann auch ein wenig des guten alten ATA mit verwendet bzw. der Scheuermilch beigegeben werden Man sollte gar nicht glauben was diese Prozedur, führt man sie eine ganze Weile ohne Druck auf das Werkstück auszuüben aus, für kleine Wunder bei der Reinigung vollbringen kann.
Das Werkstück bzw. in diesem Fall das Neusilber wird mit etwas Geduld bei der Arbeit strahlend rein!

Danach wird mit dem Brennspiritus und einem Pinsel die Scheuermilch abgewaschen  und letztlich nochmals unter fließendem Wasser gut gespült!
So behandelt kann es nun an das eigentliche brünieren des Material gehen.
Ein nochmaliges kurzes Bad im Spiritus als allerletzter Reinigungsschritt kurz vor dem brünieren ist zwar kein unbedingtes Muß, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen!



Auf meinem alten Plastikteller wird mit dem Pinsel die Schnellbrünierung verhältnismäßig großzügig und gleichmäßig auch in jedes Eckchen aufgetragen.
Dabei ist die Reaktion des Material mit der Brünierung auch schon zu erkennen, es wir sich langsam Schwarzbraun färben.



Nach ca. 7 - 8 Minuten des einwirken der Schnellbrünierung schaut dann die ganze Sache so aus. Nun wird es Zeit unter fließendem Wasser das Werkstück ordentlich zu spülen!
Durch das Spülen wird die chemische Reaktion der Brünierbeize mit dem Neusilber beendet, aus diesem Grunde lieber etwas länger als zu kurz spülen, der ganze Schmalz des Brüniermittel muß unbedingt rückstandslos runter!!




Nach im meinem Fall mindestens 24 Stunden Ruhezeit hat sich die Brünierung gefestigt und es kann mit einem mittelharten Pinsel die Brünierung gebürstet werden.
Dabei wird man am Werkstück vielleicht auch einige Stellen entdecken die nicht vollständig oder auch gar nicht brüniert sind. Der Grund dafür ist in den meisten Fällen ganz einfach auf dem Werkstück haftendes Lötzinn oder kleinste Rückstände von diesem. Zinn läßt sich nicht brünieren, es wird zwar auch etwas dunkler aber bei weitem nicht in jenem tiefen Schwarzbraun der NE - Metalle.
Diese Rückstände des Weichlot können und sollten nun wiederum mit dem Glashaarradierer sorgfältig beseitigt und danach das Werkstück nochmals nachbrüniert werden.
Beim nächsten mal wird man dann beim reinigen der Teile mit dem Glasfaserradierer wohl noch ordentlicher arbeiten.

In der Hoffnung  halbwegs verständlich meine Arbeitsweise des brünieren von NE - Metallen erläutert zu haben, wünsche ich jedem Kollegen bestes gelingen an seinen Brünierungen.

Kommentare:

  1. Danke Ingo,

    für die "Anleitung" zum Neusilber brünieren!
    Habe es so nochmals probiert und nun hat es wirklich funktioniert.
    Alles weitere dann demnächst.

    Beste Grüße vom Raguhner - Klaus

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  2. Hallo Ingo eine kurze Frage:
    behandelst Du Messing / Messingguß, Kupfer und Bronze genauso so mit der intensiven Reinigung vor dem brünieren??

    Gruß Volker aus Delitzsch

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