Samstag, 13. Dezember 2014

Die Feldbahn der 600 mm Spurweite im Maßstab 1 : 87 H0f - ein Beitrag von Norman Timpe zu seinen hervoragenden H0f Basteleien







Liebe Modellbahnfreunde und Blog-Leser!

der heutige Eintrag wird etwas "aus der Art schlagen" dergestalt, daß er ausnahmsweise aus dem Vogtland kommt.
Ingo hat mir freundlicherweise an dieser Stelle Platz für einen Gastbeitrag eingeräumt.
Was die generelle Philosophie unseres gemeinsamen Hobbys, sowie die gewählten Themen und deren Umsetzung betrifft,
gibt es bei uns doch recht große Schnittmengen. Wobei es mir eher die schmalen Spuren angetan haben.
Nachdem er in einem seiner Oktober-Einträge hier im Blog, schon einmal mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl gewunken hatte,
möchte ich nun wenigstens teilweise Taten, respektive Bilder folgen lassen.



Wie sich unschwer erkennen läßt, soll es mir um das Thema "Feldbahn" gehen.
Unlängst habe ich es mir in den Kopf gesetzt, nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen Anregungen aus diesem Blog, mich am Eigenbau von Feldbahngleis zu versuchen. Um Angenehmes mit dem Nützlichen zu verbinden, sollte ein "Mikro - Diorama" entstehen.
Wobei sich das Angenehme darauf bezieht, die wunderschöne und leider nicht mehr lieferbare Ns2f von Technomodell, in sozusagen artgerechter Umgebung zu präsentieren.
Diese Tatsache brachte es auch mit sich, die H0f-Spurweite mit 6,7mm zu realisieren.



Im obigen Bild habe ich zum Vergleich ein originales Schwellenband von Technomodell mit abgelichtet. Profilhöhe wäre, man traut es sich kaum zu schreiben,
Code 83! Zum Gleisbau selbst, kann ich mich ja kurz fassen. Die einschlägigen Technologien sind sicher bekannt.
Verwendet habe ich 2,5mm dicke kupferkaschierte Pertinaxstreifen, welche entsprechend zugeschnitten wurden.
Nach längerem Abwägen zwischen Code 40 oder 55 Profil, entschied ich mich für Code 55. Dieses ist sicherlich selbst für das schwerste Profil "S20" noch reichlich überdimensioniert. Aber die Spurkränze der Ns2 dürfen nicht unbedingt als filigran bezeichnet werden. Auch spielte die Überlegung eine Rolle, daß auch ein fast bis SOK zugewachsenes Gleis noch befahrbar sein sollte. Ebenso wollte ich im sichtbaren Bereich Schienennägel nachbilden.



Wie auf diesem Bild zu erkennen ist, sind meine Fertigkeiten im Löten sehr ausbaufähig.
Mittlerweile habe ich aber auf "stromunabhängige" Technik umgestellt und mit geeigneter Lötpaste und Flamme wesentlich ansprechendere Ergebnisse erzielt.



Hier wurden bereits die Holzschwellen (ordinäre Streichhölzer) eingefügt.
Außerdem habe ich die Schwellen elektrisch getrennt und auch wenn dies viele für übertrieben und unnötig halten mögen die später sichtbaren Pertinaxschwellen von ihrer Kupferschicht befreit.
Zum Einsatz kam hier mein Dremel mit 1mm Gravierstift.
Bei dieser Arbeit sollte man überaus seelisch ausgeglichen sein ... sonst fliegt einem nämlich schnell mal was um die Ohren.



Die nun angebrachten Kleineisen oder besser Gleisnägel sind nichts weiter als kleine Papierschnipsel.
Sämtliche Versuche mit Industrieprodukten scheiterten kläglich. Ich hatte mir auch extra Micro-Spikes von ME bestellt.
Aber selbst diese erwiesen sich als unbrauchbar. Ein großer Vorteil der Papierschnipsel ist, daß man nicht nageln oder/und vorbohren muß.
Da die Gleise ja beim Vorbild meist direkt genagelt wurden, entfallen etwaige Spurplatten.



Hier nun die Gesamtansicht.
Die weitere Gestaltung wurde ganz klassisch vorgenommen. Allerdings habe ich die Profile noch vor dem ersten Farbauftrag brüniert. Dies mache ich auch bei bereits brünierten, da dann die Farbe besser haftet.
Die Holzschwellen wurden mit der Beize von H0fine behandelt.
Dann folgte der Farbauftrag mit Ölfarben. Für die Profile habe ich die wunderbar stark pigmentierten Farben von LifeColor genommen.
Da für die recht verrottete Bettung "normaler" Schotter viel zu grob ist, kam hier der Artikel "Bau und Wegematerial" von minitec zum Einsatz.
Nach erfolgter Grundierung wurde mit dem RTS Grennkeeper 35kV begrast. Um eine entsprechende Dichte des Bewuchses zu erzielen, waren bis zu 5 Durchgänge nötig.
Beginnend mit einer 2mm Grundbegrasung schlossen sich mehrere Schichten unterschiedlicher Höhe an. Dabei sind die Fasern von Mininatur und Heki am ehesten nach meinem Geschmack. Anzumerken ist noch, daß ich nur die erste Grasschicht mit klassischem Kaltleim o.ä. durchführe. Für die weiteren Schritte nutze ich gerne matten Klarlack auf Acrylbasis aus der Sprühdose (z. B. Revell). Durch Verwendung einer Lochmaske kann man den Sprühradius nach Wunsch steuern.
So lassen sich bequem auch einzelne Büschel gestalten.
Die recht kurze Trockenzeit gestattet zügiges Arbeiten.



  So schaut die direkte Draufsicht aus.



Wenn man ganz genau hinsieht, so kann man sicherlich noch einen Unterschied bei den Materialien der Schwellen erkennen.
Dennoch bin ich überzeugt, daß sich das abschleifen der Pertinaxschwellen letztendlich lohnt.



Der aufmerksame Leser wird sicher bemerkt haben, daß Lok und Loren nicht in diesem Gebrauchszustand aus der Verpackung kommen.
Vor dem Fotografieren habe ich also noch dem Material eine farbliche Behandlung angedeihen lassen. Hierbei kamen Acrylfarben von Vallejo - die ich übrigens für das Beste halte, was der Markt derzeit bietet - und AK Interactive zum Einsatz.
Ebenso wurde mit Washes von MIG Productions und Pigmenten von AK und Vallejo gearbeitet.



 Noch eine kurze Vorbeifahrt...



 ...und das Züglein entschwindet unseren Blicken.


Im Nachgang wurde ich dann noch etwas mutiger und habe mich an den Selbstbau eine Feldbahnweiche gewagt.
Das ist die erste Weiche, die ich überhaupt gebaut habe. Daher bitte ich um Nachsicht.
Es gibt sicher mehr als genug Verbesserungspotential. Auf jeden Fall waren die Erfahrungen, welche ich bei diesem Bau sammeln durfte, sehr lehrreich.




So in etwa hatte ich mir das vorgestellt.
Die Fotos zeigen eine Weiche der Feldbahn Schauanlage im sächsischen Eisenbahnmuseum Chemnitz - Hilbersdorf.



Zum Vergleich, eine Weiche wie sie von Technomodell (jetzt PMT) noch angeboten wird.
An deren Geometrie habe ich mich orientiert.



Hier ein erster Entwurf. Viel mehr an technischer Zeichnung war dann auch nicht nötig.
Dies ist ja das Schöne bei der Feldbahn---es ist (fast) alles erlaubt und möglich.





Die Metamorphose meiner "Erstgeburt".



Eine Stellvorrichtung wurde auch noch gebastelt.
Gleisnägel entfallen im Weichenbereich, da hier die Profile direkt auf die Stahlschwellen geschweißt sind.
(siehe Originalbild oben)

Anbei noch kleines Video zur Funktionsprobe:



Alles in allem war es eine für mich interessante Bastelei.
Das Thema Feldbahn ermöglicht eine glaubhafte Nachbildung der Wirklichkeit auf engstem Raum, verbunden mit der Annehmlichkeit auf ein umfangreiches Zubehör der Nenngröße H0 zurückgreifen zu können.
Somit bieten sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, auch für den von Platznot geplagten Modellbahner.
Vielleicht ist es ja für den einen oder anderen geneigten Leser ein Anstoß, sich auch mal an diesem Thema zu versuchen.
Wobei sich natürlich auch die "richtige" Schmalspurbahn hervorragend zur Modellbahnerei auf beengtem Raum eignet.
Aber dies wäre schon wieder ein Thema für sich...

... auf das ich hier im Blog sehr gern warte, lieber Norman! 
 Vielen Dank für Deinen schönen Beitrag,

Ingo

Kommentare:

  1. Die Lok und die Loren sehen hervorragend aus!!! Ich bin ein Anfänger und würde gerne wissen wie und womit Sie die Loren altern.
    Mit freundlichen Grüßen
    Bartosz

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    1. Moin Bartosz,

      die Anleitungen zum altern und der Aufstellung der gebrauchten Farben / Hersteller und Hilfsmittel findest Du sehr detailliert in Wort und Bild beschrieben unter folgenden Link's am Beispiel einer 0f Diesellok in 2 Beiträgen und der Loren ebenfalls in 2 Beiträgen in 0f hier im Blog:

      Feldbahn Diesel:
      http://merziener-privatbahn-agbb-mobablog.blogspot.de/search/label/Eine%20Felbahndiesellok%20in%200e%20%28f%29

      Feldbahn Lore:
      http://merziener-privatbahn-agbb-mobablog.blogspot.de/search/label/Eigenbau%20einer%20Feldbahnlore%20in%20Spur%200f

      Diese Anleitungen sind natürlich auch für die Baugröße H0 verwendbar!
      Leider gibt es die Software des Blog im Bereich der Kommentare nicht her, die Link's direkt zu posten, die Adressen müssen so kopiert und dann im Browser eingefügt und von diesem geöffnet werden!!

      In der Hoffnung Deine Frage beantwortet zu haben, Grüße aus Merzien,
      Ingo

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    2. Vielen vielen dank!!!
      Grüße Bartosz

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    3. Sehr gern Bartosz, auch Dir ein Danke für Deine Fragen!
      Viel Erfolg und Spaß bei Deinen Basteleien und natürlich auch dem altern,

      wünscht mit besten Grüßen
      Ingo aus Merzien

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