Dienstag, 24. Januar 2017

Die "ältere" Fabrikmauer nach realem Vorbild nun im Modell - die erste Probebastelei





Es ist zwar zur Zeit mit meiner Fertigstellung der kleinen Kesselwagen- / Säuretopfwagen Ent- und Beladungsstelle noch ein wenig mehr als Zukunftsmusik, aber dennoch wollte ich schon einmal schauen, wie es mit der Umfriedung jener in Form einer Fabrikmauer ausschauen würde.

Vor einigen Wochen nun hatte ich hier im Blog in diversen Bildern die in Natura noch existierende ältere Fabrikmauer aus nach ehemaliger DIN der DDR genormten Betonplatten / Betonfertigteilen zusammengesetzt vorgestellt.
Zu jener Zeit bin ich noch davon ausgegangen, dass diese Betonplatten vom WBK Wohnungsbaukombinat) der DDR für die allseits bekannten Plattenbauten zur nachhaltigen Verbesserung des Wohnstandard der Bevölkerung auf Beschluß "eines" Parteitages der SED fungierten.
Dies war nun nach einigen weiteren Recherchen von mir nicht der Fall, sondern die Platten wurden zum schnellen errichten von landwirtschaftlichen Zweckbauten - sprich Kuh- und sonstige Tierställe - benutzt.

Wie es der Zufall so wollte, schloß ich bei meinem nochmaligen Besuch jenes Gelände vor ein paar Tagen Bekanntschaft mit einem älteren Herrn, der zu jener Zeit der Erstellung der Mauer im Jahre 1969 - nun ist das Jahr bekannt!! - zwar nicht direkt beim Bau der Mauer mitarbeitete, doch aber familiär mit dem damaligen Besitzer und Bauherrn verbunden ist.
So konnte ich einige mir sehr hilfreiche Informationen erhalten, die mir die ganze Sache ob nun konstruktiv, aber auch die Historie um einiges näher brachten.

Mein nun in Probe erstelltes und heute vorgestelltes erstes Stück Mauer ist leider schon vor! diesem Gespräch entstanden, so ist es in einigen Details nicht dem Vorbild stimmig.
Ich zeige es trotzdem vor, vielleicht gibt es ja dem einen oder anderen Leser dennoch einige Hinweise für die eigene Darstellung einer solchen oder ähnlichen Fabrikmauer.



Die Mauersegmente sind bei meinem Vorbild in 3,0 Meter und 4,0 Meter Breite vorhanden, bei einer immer gleichen Höhe einer Platte von 1,25 Meter.
Im Bild nun die Variante von 3,00 Meter Breite. Zur Verwendung kamen hier Schienen CODE 75 Weinert / PECO, die Platten sind aus 1,0 mm starkem Polystyrol - 1 : 87 = 87 mm - geschnitten was ungefähr der Plattenstärke von 100 mm des Vorbildes entspricht und sind an die Schienenstege eingelegt.
Die Flacheisen bzw. der Bandstahl besitzt beim Vorbild die Maße von 200 x 80 x 5 mm, jene ich hier im Modell mit 0,8 mm Breite doch leider zu groß darstelle.
Die Platten selbst habe ich mit einer dünnen Schicht Spachtelmasse überzogen um auch feinste Risse usw. zu gravieren bzw. darstellen zu können.



Die Innenseite der Mauer ist gespachtelt aber noch nicht graviert und beschliffen.
Als Fundament für dieses Stück Mauer habe ich eine über einen langen Zeitraum getrocknete 5 x 5 mm Kieferholzleiste eingesetzt, in diese die Schienenpfeiler in entsprechende Bohrungen mit 2K UHU Endfest im Lot eingestellt eingeklebt sind.



Hier nochmals die Vorbildsituation der Schienenpfeiler nebst den Betonplatten.

Nun stellt sich natürlich "mal wieder" die Frage, um welche Bauart Schiene es sich hier eigentlich handelt??
Eine S49 kann es wohl nicht sein, dafür scheint hier am Objekt der Kopf etwas anders ausgeprägt zu sein, besonders im Übergang des Kopfes auf den Schienensteg.

Ob der liebe Kollege Schienen(ver)bieger in diesem Bild ein Ferndiagnose betreiben und Aufklärung geben kann?
Es wäre sehr zu wünschen!



Die ganze Sache von oben betrachtet.
Die Ösen habe ich aus 0,2 mm Messingdraht hergestellt.



Im entstehen befindet sich ein Pfeiler aus zwei Schienen, welche eine Ablenkung der späteren Mauer von ca. 30° bewerkstelligen.
Beim Vorbild wurden zwei Schienen an den Köpfen zusammen geschweißt ...


... wobei die Schienenfüße Plan gegeneinander treffen und so auch verschweißt wurden.



Auch hier im Bild die Sache von oben gesehen.



In nächster Zeit werde ich mich nochmals nach den Angaben des eingangs erwähnten "Zeitzeugen" beim Bau der Mauer zu diversen Details neu orientieren müssen.
Aber auch das gehört zu dieser Übung des Bau einer eher ungewöhnlichen Mauer fernab von genormten Vorgaben ...

Kommentare:

  1. Lieber Ingo, sehr gut gelungen. Ich hatte nach den Weihnachtstagen auf Basis Code 55 Profilen und dünnen Platten aus (blauem) Styrodur gearbeitet und die Mauer auf diese Weise gebaut. Code 75 erschien mir bei meinen Versuchen zu kräftig.
    Sehr schön sind die Ösen nachgebildet. Gefällt mir sehr gut. Und: Danke nochmals für dieses wunderbare realsozialistische Relikt. Es grüßt Peer aus Berlin
    PS.: Hast Du einmal darüber nachgedacht, die Mauerplatten aus Gips zu gießen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin mein lieber Peer,

      bitte bedenke die Stärke einer armierten Betonplatte, die ab 100 mm bei 3,0 Meter Länge bis 150 mm bei der langen 4,0 Meter Platte beträgt.
      Eine S49 Schiene zb. hat "nur" eine Höhe des Schienensteg - Ausrundungen am Fuß und Kopf abgerechnet von 58 mm!!
      Die Schienensteg bei der Vorbildmauer ist 90 mm hoch! Komische Schiene in immer noch "geheimnisvoller" mit dieser Steg Höhe!

      Nach dem der "Vogtländer" nun auch noch das Gips zur Herstellung der Platten zur Sprache gebracht hat, habe ich mir schon ein paar Gedanken dazu gemacht und erste Bastelmaßnahmen ergriffen, davon in Kürze in Wort und Bild mehr.

      Peer, ich habe zu danken für Deinen anregenden Kommentar!

      Liebe Grüße aus Merzien

      Ingo

      Löschen
  2. Schienenbieger24 Januar, 2017

    Grüß dich,

    also ohne Maße sage ich nichts dazu, ich bin ja nicht bei "ich vermute", ich bin auch kein Dichter und Denker, und folglich denke ich auch nicht, auch zahle ich keine Kirchensteuer...also Glaube ich auch nicht :-) Spaß muss sein.

    Ich kann es dir so nicht sagen, weil es einfach nur das Profil ist, aber unter der Türaufnahme ist ein Walzprofil!

    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Schienen(ver)bieger,

      ja ja, wohl auf dem falschen Bein erwischt?
      Spaß bei Seite, einziges Maß welches ich im Moment habe, sind 90 mm Steg Höhe.
      Ich schaue mir aber die Sache noch mal an, insbesondere das Walzprofil.
      Verraten werde ich aber DIR nicht, wo die Mauer steht ... ich ahne doch was ...

      Grüße aus Merzien und danke für Deinen Kommentar,

      Ingo

      Löschen
  3. Hallo Ingo,
    ich frage mich auch gerade, ob Kunststoffplatten mit Überzug der Weisheit letzter Schluss sind. Warum gießt Du die nicht?
    Auch könntest Du diese auf planem Untergrund gut bearbeiten (Risse nachbilden, ganze Ecken wegbrechen etc.pp.) und dann wie beim Vorbild einsetzen.
    So wäre es z.B. auch möglich, abgeplatzte Stellen nachzubilden und die rostigen Armierungseisen "rausgucken" zu lassen....
    Nur mal so als Gedankenspiel...regt der Vogtländer an :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin "Kollege Vogtländer",

      prima Idee mit dem Gips!
      Manchmal sieht man halt den Wald vor lauter Bäumen nicht.
      Morgen wenn ich es zeitlich schaffe, werde ich zum Thema Gießform und Armierung die ersten Ergebnisse und Taten in einem neuen Beitrag in Wort und Bild berichten.
      Stellt sich nur noch die Frage nach dem geeigneten Gips für die doch sehr dünnen 1,7 mm Platten.
      Meine letzte Spielwiese mit Förmchen und Gips liegt nun schon über 20 Jahren zurück, damals mit den neu erschienenen Formen von Spörle.
      Ergo ist es doch wieder etwas Neuland für mich!

      Danke für Kommentar und Horizonterweiterung!

      Grüße aus Merzien ins Vogtland nach Z.

      Ingo

      Löschen
    2. Hallo Ingo,
      meine Brücke für die WCd-Linie (Du erinnerst Dich u.U. dunkel) hatte ich mit "Keramin-S" gegossen. Meiner Meinung nach,
      eine Überlegung wert, da das Material sehr hart wird. Allerdings läßt es sich deutlich schwerer ritzen, als Gips.
      Aber dieser Nachteil wird durch die höhere Bruchresistenz aufgewogen. Wenn Du Gips bevorzugst, dann empfehle ich den von Vampisol, oder dem Zahntechniker Deines Vertrauens (denn Vampisol wird auch nur solchen vertreiben...der vanilleartige Geruch läßt dies stark vermuten). Sonst gibts ja nix zu bedenken, Ochsengalle hast Du ja sicherlich, zum Form auspinseln. Es gäbe auch noch eine ganz andere Variante, aber das will ich hier nicht "breittreten", da auch zu viel Schreiberei...u.U. klappt es ja doch am SA in S.

      Löschen
    3. Moin N.,

      ich werde es wie im neusten Beitrag erwähnt mit Keramin - S versuchen.
      Zum ritzen etc. werde ich dann ua. meine feinsten Stichel mal wieder scharf machen, so könnte ich es dann hinbekommen - hoffe ich zu mindest.

      Ich danke Dir für Deine guten Tips und S. wird wohl klappen!

      Grüße aus Merzien nach Z.,

      Ingo

      Löschen
  4. Schienenbieger25 Januar, 2017

    Grüße,

    Nein hast du nicht, ich meinte Walzzeichen an statt Walzprofil.
    Meinst du nicht eher 90mm Fußbreite?

    Also wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, nennst du mir den Standort nicht weil du Angst hast das im "Pfosten" ein Lücke auftaucht.
    Was soll ich dazu sagen, an jeden Gerücht ist auch immer ein Trennjäger dran.

    Ja wir sind im April in Ferropolis.

    Bis dahin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Egal wie und was es an der Schiene auch darstellt, man muß sehr stark aufpassen ...
      Der Steg ist, so habe ich es gemessen 88 mm hoch.

      Auf Ferropolis bin ich mal gespannt was der Kollege aus Leipzig mit dieser Veranstaltung auf die Beine stellen wird!

      Grüße aus Merzien,

      Ingo

      Löschen