Freitag, 28. März 2014

Die "schnelle Ertüchtigung" eines G 10 von Brawa zum kompatiblen Fahrzeug für H0 Pur Gleis - die neunte Runde - das Dach bekommt "seine deckende Haut"







Vor ein paar Tagen habe ich mir noch zum späten Abend das Dach meines im Umbau befindlichen G 10 von BRAWA auf den Tisch geholt, um es mit einer vorbild gemäßen Bedeckung beziehen zu können.
Da es sich bei diesem Wagen wie hier bekannt um einen Umbau in ein Fahrzeug des "nicht regulären" Betrieb der Eisenbahn handelt, dieser Wagen im Laufe vieler Jahre mehr Standzeit besaß als fahrend bewegt wurde, sollte auch die Oberfläche der Dachhaut dementsprechend "Alt" nachgebildet werden.
Um diesen gewünschten Zustand zu erreichen, dürfte die Methode der Bedeckung mit einer Lage eines Zellstofftaschentuch genau die Richtige sein, so jedenfalls meine Erfahrung bei früher mit diesem Material bespannte Wagendächer von gedeckten Wagen der Verbands- und Austausch - Bauart.
Dabei kann auch der Umstand gezollt werden, dass die Dächer dieser Wagen beim Vorbild, hier wurden sie mit in Teer getränktem Stoffgewebe bedeckt, des öfteren bei Undichtigkeiten etc. schnell und einfach mit ein paar Flicken "unbürokratisch" ausgebessert und somit abgedichtet und verschlossen wurden. Beweise dafür sind auf vielen Bildern aus der Zeit, in der die "alten" G - Wagen noch im regulären Betrieb standen zu erkennen.
Mit diesen Gedanken bin ich nun frisch ans Werk gegangen.



Das Dach des BRAWA G 10 ist nun eingedeckt, coloriert und im ersten Stadium mit Künstlerpigmenten etwas gealtert. Im Grunde soll die Darstellung eines mit Dachpappe eingedeckten Daches sein, welches frisch nach dem decken vor langer Zeit eine Behandlung mit Teer über sich ergehen ließ und folglich im weiteren Leben immer mal wieder bei Bedarf und vorhandenem Material mit Teerkaltanstrich behandelt worden ist, so jedenfalls bei Wagen der DR in den 1950 - 1970 Jahren es vielmals der Fall gewesen war.
Auf eine Darstellung der überlappten Verklebung der Dachpappe habe ich bewußt verzichtet, konnte man diese Überlappung nach ein paar Anstrichen mit dem besagten Kaltanstrich eh nur noch Fragmentös aus äußerster Nähe der Betrachtung ausmachen.
Wie ich nun bei der Bedeckung dieses Daches vorgegangen bin, dass läßt sich eigentlich im folgenden verhältnismäßig schnell aufzeigen:



Von einem Zellstofftaschentuch wird eine Lage vorsichtig abgetrennt und leicht und ohne Druck auszuüben in der Hand zerknüllt. Diese Zerknüllung bestimmt später den Schaden des Daches in Form von Blasen usw. Lieber etwas weniger zerknüllen, einen Totalschaden der Dachhaut wollen wir doch sicherlich auch nicht haben.
Beim auflegen des Zellstoff muß natürlich darauf geachtet werden, dass die an den Rändern des Tuches befindliche Perforierung nicht mit einbezogen wird.



Nach dem zur Probe legen des Zellstoff auf dem Dach und bei folgender positiver Begutachtung des Ganzen, kann nun das komplette Dach mit farblosen matten Kunstharz Klarlack satt eingepinselt werden, dabei nicht die Kanten und ebenso ca. knapp 1 mm der Unterseite des Daches an den Kanten vergessen!

Bei diesem Job kommen nur Lacke mit Lösungsmittel zur Verarbeitung in Frage, um die Oberfläche des Dach etwas anzulösen, ohne dem Lösungsmittel besteht absolut kein Erfolg bei dieser Maßnahme!

So wird dann nachfolgend das Zellstofftuch auf das Dach gelegt und bitte, bitte nicht auf der Fläche berührt, andernfalls könnte sofort ein sehr gut verwertbarer Fingerabdruck entstehen.
Liegt das Tuch ordentlich und gleichmäßig auf dem Dach, kann dieses Tuch dann ohne Zug an den Kanten auszuüben umgelegt werden, diese Kanten dürfen dann mit einem Finger ohne dabei Druck auszuüben etwas zur Festigung vorsichtig bestrichen werden, es folgt zum Schluss das nochmalige umlegen des Tuch auf die Unterseite, wobei die zuvor eingestrichenen schmalen Klebestellen entlang der Unterkante nochmals mit dem Finger leicht zur Festigung bestrichen werden.
Alles weitere macht das Tuch bei seiner Abbindung auf dem Dach von selbst, es hat anbei keinen Sinn in irgendeiner Weise mit einem formen des Tuches nachzuhelfen, es würde nur zerreisen.
Die prägnante "alte und verwitterte Schicht" der "Dachpappe" kommt nach dem Trocknen des Klarlack zustande, resultierend aus dem Akt der Zerknüllung vor dem Aufbringen des Zellstofftuches!

Nach erfolgreicher Arbeit und dem restlosen abbinden des Klarlack bei mindestens 24 Stunden Dauer schaut dann das Ergebnis wie es das obere Bild zeigt, schon einmal ganz gut aus.



Das geklebte Resultat in der Makro - Ansicht.
Oben im Bild habe ich, nachdem eine kleiner Riss nach dem aufkleben des Tuch entdeckt worden ist, diesen einfach mit einem Stück "Flicken" überpappt.
An sich ist aber die Gefahr des zereisen als nicht sehr groß zu sehen, solch eine Lage Taschentuch hält mehr an Dehnung im trockenen Zustand aus als man es im allgemeinen für möglich hält!



Die Dachunterseite mit dem beklebten Rand.
Dieser Rand wird im abgebundenen Zustand des Tuches vorsichtig mit einem scharfen Scalpell dahingehend bearbeitet, bis dieser bei Konttrolle des Sitzes der oberen Auflagefläche des Wagenkasten diesem nicht mehr im Wege ist und beide Teile sich bestens ohne Spalt zusammenfügen lassen.


Im grellen Gegenlicht der Frühlingssonne aufgenommen ist verwitterte Struktur der Oberfläche des Daches sehr gut erkennbar.



Die Farbe spielt die Musik - und deren Qualität bestimmt das Gesamtergebnis nicht nur dieser Bastelei!
Zum einfärben des Daches muß wiederum unbedingt Lösungsmittel freie Farbe verwendet werden, bei der Verwendung und Anstrich des Daches mit zB. Kunstharzfarben / Lösungsmittelhaltige Farben ist es mir selbst leider schon geschehen, dass sich die ganze Schicht Taschentuch wieder etwas gelöst hatte. Zu diesem Zeitpunkt vor Jahren hatte ich nicht die nötigen Erfahrungen besessen, um dies vorher zu erkennen.
Darum weise ich auf meinen begangenen Fehler hin!
Zur Anwendung kommen Acrylfarben allerbester Qualität von Lucas, mit diesen Produkten bin ich sehr zufrieden, besitzen diese Farben doch eine extrem hohe und sehr feine qualitativ höchstwertige Pigmentierung bei sehr guter Handhabung auf verschiedenen Untergründen.
Mit diesen im Bild gezeigten Farbtönen läßt sich relativ schnell das Dach mit verschieden angemischten Grautönen mit einen breiten und weichen Pinsel einfärben, wobei auch Abschnittweise gern getupft werden darf, bearbeiten.

Vielleicht noch guter ein Tipp:
Solche qualitativ hochwertigen Acrylfarben sollten nur und ausschließlich mit abgekochtem Wasser in Berührung kommen, noch viel besser ist dabei aber die Verwendung von destilliertem Wasser.
Wasser aus der Leitung besitzt immer!! wenn auch geographisch unterschiedlich, hohe Anteile von Kalk.
Dieser Kalk ist absolut nicht gut für diese herrlichen Farben, er bindet und zerstört die Pigmente, sodass diese nicht ihre ursprüngliche Farb- und Leuchtkraft entfalten können.



In der Draufsicht ist schon die anfängliche noch nicht finale Einfärbung des Daches mit Künstlerpigmenten zu erkennen, wobei auch mit einigen Grün / Gelb Tönen gearbeitet wird.
Da dieser Wagen dem Vorbild eines ehemaligen Werkstattwagen der Gleisbaumechanik Bitterfeld zu Zeiten seiner betrieblichen Existenz nachgebildet werden soll, muß dabei das Dach seiner betrieblichen Bewegungen nach bearbeitet werden.
Solche Wagen wurden teilweise Wochen- wenn nicht sogar Monatelang betrieblich kaum bewegt, so konnte sich natürlich etwas mehr oder weniger üppige Flora in Form von Moosen etc. auf dem Dach ansiedeln und ausbreiten. Diese Pflanzen sollen nun auch das Bild des Daches prägen, wobei ich persönlich bei dieser Nachbildung sehr behutsam und sparsam vorgehen werde.
Mir darüber detaillierte Gedanken zu machen hat aber noch etwas Zeit, denn der Wagen wird noch einige Zeit sich im weiteren Umbau befinden.

Ich wünsche allen Kollegen ein frohes basteln.

Kommentare:

  1. Gefällt mir ausgezeichnet! Einfach & für jedermann nachmachbar. Dane.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Ingo, das ist eine schöne Arbeit. Ich habe mit einer ähnlichen Methode gearbeitet. Die eine Lage vom Papiertachentusch habe ich mit Weißleim aufgeklebt und das Dach anschließend "geteert". Verwerfungen in der Dachpappe können schon beim aufkleben gestaltet werden oder entstehen mitunter sogar ohne Absicht. Als Teer habe ich normale Wasserfarbe, schön dick angerührt, verwendet. Das Dach kann man hinterher noch mit Pulverfarben trocken etwas altern, was ich in meinem Fall aber nicht gemacht habe. Würde gern ein Bild mitschicken, müsstest Du mir mal sagen ob das geht. Herzliche Grüße Ralf aus Dresden

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Ralf,

      fein das Du Dich mit einem eignen von Dir bedeckten Dach eines gedeckten Wagen hier meldest.
      Ich besitze immer ein hohes Interesse an den Arbeiten der Kollegen, wenn Du magst, dann schicke mir doch ein Bild per E Mail!!
      Meine Adresse findest Du rechts im Blog unter "meine Person", ich freue mich darauf!

      LG. Ingo

      Löschen